Andacht im August 2017

Mit Kindern Abendmahl feiern

„Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes.“ (Mk 10,14)

Kinder am Abendmahl teilnehmen zu lassen - das geht ja gar nicht, das kommt überhaupt nicht in Frage. Die müssen erst mal lernen, was das heißt und wie man sich am Tisch des Herrn benimmt. Die müssen erst mal das richtige Alter erreicht und den Konfirmationsunterricht besucht haben.

Und wie ist das beim Essen zu Hause? Vermutlich kennen Sie das auch: Sie haben ein gutes Essen zubereitet, den Tisch schön gedeckt und vielleicht Gäste eingeladen. Schließlich geben Sie dem Drängeln der Kleinen nach, auch bei ihnen am Tisch sitzen zu dürfen. Und dann? Die Kinder wackeln beim Essen mit dem Stuhl hin und her, matschen mit dem Löffel im Essen rum, essen nur Nudeln mit Sauce anstatt vom guten, teuren Fleisch oder lassen gleich alles liegen. Irgendwann sind sie und die anderen Erwachsenen genervt und sagen sich: Hätten wir sie doch bloß gleich auf ihr Zimmer geschickt. Von dem schönen Essen haben wir nichts gehabt. - Und dann sollen wir Kinder zum Abendmahl zulassen? Das geht gar nicht...

Geht das wirklich nicht? Haben wir denn schon einmal wirklich darüber nachgedacht?
Beim Abendmahl lädt uns Jesus selbst an seinen Tisch, um Gemeinschaft mit ihm zu haben. Wir vertrauen darauf, dass Jesus Christus im Abendmahl bei uns ist, uns Vergebung, Freude und Hoffnung schenkt und uns miteinander verbindet. Gott stärkt uns an Leib und Seele durch Brot und Wein (Saft). Jeder getaufte Christ und jede getaufte Christin ist grundsätzlich zur Teilnahme am Abendmahl eingeladen, also auch Kinder.

Und je mehr ich darüber nachdenke, glaube ich, dass es vielleicht gerade die Kinder sind, die hier erwünscht und eingeladen sind. Jesus hat sich mit Frauen und Männern, mit Sündern und Außenseitern an einen Tisch gesetzt, und er hat auch Kinder nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil, er hat ausdrücklich gesagt: „Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes.“ (Mk 10,14) Dies ist eine offene und bedingungslose Einladung, die niemanden ausschließt. Wenn Jesus das so wichtig ist, dann sollten wir nicht das Gegenteil tun. Gott ist wie ein Vater und wie eine Mutter und wir alle sind Kinder Gottes, egal ob jung oder alt, egal ob klein oder groß. Jesus lädt alle ein an seinen Tisch.

Aber wir Erwachsenen meinen, dass Kinder die Glaubensinhalte noch nicht umfassend verstehen würden und daher noch nicht reif genug seien, um die Gnade Gottes in Form des Abendmals würdig zu empfangen. Ja, vielleicht benehmen sich Kinder nicht immer „richtig“ und vielleicht verstehen sie auch noch nicht alles, worum es beim Abendmahl geht, aber benehmen wir Erwachsenen uns denn immer richtig? Gott lädt uns an seinen Tisch, auch wenn wir Fehler machen und uns nicht immer so verhalten, wie Gott es von uns erwartet. Gott lädt uns immer wieder aufs Neue ein, obwohl unsere Vergehen doch viel schwerwiegender sind als die der Kinder. Und wissen wir denn wirklich so genau, worum es beim Abendmahl geht? Das Abendmahl bleibt ein Geheimnis des Glaubens und ein Zeichen der Gnade und der Liebe Gottes. Sie ist so unendlich, dass wir sie mit unserem menschlichen Verstand nicht erfassen können. Aber wir können Gottes Güte und Freundlichkeit schmecken und so erfahren, dass Jesus Christus bei uns ist auf unserem Weg. Das können auch schon Kinder erleben und begreifen.
Kinder haben ein gutes Gespür für die wesentlichen Dinge. Sie sind selten berechnend, sondern begegnen anderen mit großer Neugier und Offenheit. Beneiden wir nicht sogar ab und zu unsere Kinder um die Einfachheit und Ehrlichkeit ihres Glaubens? Wünschen wir  uns selbst nicht manchmal die Tage unserer Kindheit zurück, an denen wir zum Beispiel das Abendgebet ganz einfach aussprechen konnten und an denen es ganz selbstverständlich war, dass Gott uns alle liebt und beschützt.
Als Erwachsene wissen wir, dass Vieles im Leben nicht einfach ist: in der Familie, im Arbeitsleben, in der Gemeinde, in der Politik und im Umgang mit sich selbst und mit anderen. Umso wichtiger ist es doch, sich immer wieder bewusst zu machen, dass unser christlicher Glaube im Kern ein ganz einfacher ist: Gottes unbedingtes Ja gilt jeder und jedem von uns. Das wird uns in der Taufe zugesagt und das erfahren wir immer wieder neu, wenn wir miteinander Abendmahl feiern.

Die Frage, wer zum Abendmahl zugelassen ist, sollte sich nicht am Alter oder Wissensstand entscheiden. 500 Jahre Reformation sollten wir zum Anlass nehmen, darüber nachzudenken, ob die Reformation nicht ein bisschen Reformation vertragen könnte. Mit der Konfirmation hat man die Berechtigung zur selbstständigen Teilnahme am Abendmahl, aber auch jüngere Kinder können schon an die Bedeutung des Abendmahls herangeführt werden. Sie sagen in der Regel ehrlich, was sie möchten und was nicht. Die Teilnahme am Abendmahl ist eine Entscheidung des Herzens, dem einladenden und Leben schenkenden Geist des lebendigen Gottes zu folgen. (Christine Kucharski)

(in: Evangelische Frauenhilfe im Rheinland (Hrsg.). Andachten 2017. Reformation - Kraft und Mut zur Erneuerung. 24 Andachten durch das Kirchenjahr)

Gebet

Lebendiger Gott,
wenn wir miteinander Abendmahl feiern,
schmecken und sehen wir deine Güte und Freundlichkeit.
Jesus Christus lädt uns an seinen Tisch,
und wir spüren die Gemeinschaft mit dir
und mit denen, die mit uns feiern.
In Brot und Wein haben wir sichtbare Zeichen des Lebens,
die Leib und Seele stärken für den Weg, der vor uns liegt.
Wir bitten dich,
lass uns offen und einladend auf andere zugehen
und deine Liebe weitergeben.
Amen.

Liedvorschläge

Komm, sag es allen weiter  (eg 225)
Kommt mit Gaben und Lobgesang  (eg 229)
Du bist heilig, du bringst Heil  (Wortlaute 26)